Medien versorgen uns mit Informationen aller Art: In der Zeitung lesen wir über den Beschluss der Schuldenbremse, im Radio hören wir vom Absturz eines Airbus, im Fernsehen sehen wir Boris Becker beim Weinen zu. Doch nur selten machen Medien sich selbst zum Thema. Dabei bieten sie nicht gerade wenig Gesprächsstoff: Seit 2001 befinden sich Redaktionen in zunehmenden finanziellen Schwierigkeiten. Nicht wenige Redaktionen können sich nicht mehr ausreichend über den Anzeigenmarkt und Verkaufserlöse finanzieren und müssen fusionieren, Gehälter kürzen oder Arbeitsplätze abbauen. Vor allem in der Wirtschaftskrise verlieren Zeitungen Anzeigenkunden, da sich Unternehmen schlichtweg keine Werbung mehr leisten können.
Die Suche nach alternativen Einnahmequellen ist bei Medien stets ein Thema: Fast jede Zeitung hat mittlerweile ein Online-Pendant, das über Klickanzeigen ein wenig zusätzliches Geld in die Kasse spült. Doch gleichzeitig birgt der Online-Journalismus eine Gefahr für professionelle Medien und trägt zum Rückgang der Verkaufszahlen bei: Mit den Weblogs (kurz: Blogs) ist nämlich eine große Konkurrenz entstanden, die unkommerziell informiert und Meinungen darstellt. Mit einer Art Online-Tagebuch kann heutzutage jeder Journalist werden, der einigermaßen technisch versiert ist und sich auszudrücken weiß. Blogs wie „Spreeblick“ und „netzpolitik“ genießen eine große Leserschaft und schnappen „Focus Online“ und „Spiegel Online“ so manchen Leser weg.
Doch es ist auch ein anderer Trend zu bemerken, der Journalisten Sorgen bereitet. Die finanziellen Probleme bedrohen nämlich auch die Unabhängigkeit der „vierten Gewalt“ im Staat. Wo Einnahmequellen wegbrechen und Anzeigenkunden weglaufen, ist ein Investor oft willkommen. Dieser stärkt aber nicht nur das Kapital des Mediums, sondern stellt oftmals auch Forderungen, die nicht mehr mit dem Pressekodex der objektiven Berichterstattung übereinstimmen. Ein Unternehmen ist natürlich an einem möglichst guten Ruf interessiert und versucht infolgedessen zum Beispiel, durch einen gekauften Zeitungsverlag das Öffentlichkeitsbild in eigenem Interesse zu beeinflussen. So verschwimmen die Grenzen zwischen Journalismus und Öffentlichkeitsarbeit immer mehr.
Die einen sehen in der Medienkrise eine Gefahr für die Pressefreiheit und den Qualitätsjournalismus, andere dagegen wittern eine Chance für eine differenziertere Medienwelt. So müssen sich Qualitätsblätter wie die ZEIT oder die Frankfurter Allgemeine Zeitung in Zukunft immer mehr auf investigative Formen wie Analysen und kritische Hinterfragung ausrichten, um sich von der Masse an semiprofessionellen Blogs abzusetzen. Diese sind übrigens ein Garant für Pressefreiheit: Solange es nämlich kritische und unabhängige Gegenpole gibt, braucht man keine einseitige Berichterstattung zu befürchten.



