Die Cockbar

Herzlichen Willkommen in der Blockbar.

Der StammtischHier schmeißt die lustige Runde mit Politik und Parolen. Prost! (Politik)

Die dunkle Ecke - Hier sitzt ein Mann ruhig und wortlos. Wird er jemanden an seinen Gedanken teilhaben lassen? (Essays)

Die GetränkekarteDie Preise bringen so Manchen zum Grübeln… (Wirtschaft & Finanzen)

Die Lästerrunde – Schlotbarone und Fabrikarbeiter, Fensterputzer und Millionäre, Männer und Frauen – keiner ist hier vor Denunzierung sicher. (Gesellschaft)

In Vino Veritas - Im Weine liegt die Wahrheit und die Preisgabe seiner selbst… (Persönliches)

Aufgeschnappt - Rumgebrülle, subtile Kritik, Geständnisse – Der Wirt hört so einiges mit. (Zitate)

Die Hausordnung:

§1 Es wird nicht gepöbelt und randaliert.

§2 Man lässt das Gegenüber ausreden.

§3 Man spuckt dem Anderen nicht ins Bier.

§4 Man hat die Rechnung zu bezahlen.

§5 Man hat die anderen Gäste zu achten.

Veröffentlicht in:  on März 22, 2009 at 6:11 pm Hinterlasse einen Kommentar

Die Medienkrise – Ein reinigendes Gewitter?

Medien versorgen uns mit Informationen aller Art: In der Zeitung lesen wir über den Beschluss der Schuldenbremse, im Radio hören wir vom Absturz eines Airbus, im Fernsehen sehen wir Boris Becker beim Weinen zu. Doch nur selten machen Medien sich selbst zum Thema. Dabei bieten sie nicht gerade wenig Gesprächsstoff: Seit 2001 befinden sich Redaktionen in zunehmenden finanziellen Schwierigkeiten. Nicht wenige Redaktionen können sich nicht mehr ausreichend über den Anzeigenmarkt und Verkaufserlöse finanzieren und müssen fusionieren, Gehälter kürzen oder Arbeitsplätze abbauen. Vor allem in der Wirtschaftskrise verlieren Zeitungen Anzeigenkunden, da sich Unternehmen schlichtweg keine Werbung mehr leisten können.
Die Suche nach alternativen Einnahmequellen ist bei Medien stets ein Thema: Fast jede Zeitung hat mittlerweile ein Online-Pendant, das über Klickanzeigen ein wenig zusätzliches Geld in die Kasse spült. Doch gleichzeitig birgt der Online-Journalismus eine Gefahr für professionelle Medien und trägt zum Rückgang der Verkaufszahlen bei: Mit den Weblogs (kurz: Blogs) ist nämlich eine große Konkurrenz entstanden, die unkommerziell informiert und Meinungen darstellt. Mit einer Art Online-Tagebuch kann heutzutage jeder Journalist werden, der einigermaßen technisch versiert ist und sich auszudrücken weiß. Blogs wie „Spreeblick“ und „netzpolitik“ genießen eine große Leserschaft und schnappen „Focus Online“ und „Spiegel Online“ so manchen Leser weg.
Doch es ist auch ein anderer Trend zu bemerken, der Journalisten Sorgen bereitet. Die finanziellen Probleme bedrohen nämlich auch die Unabhängigkeit der „vierten Gewalt“ im Staat. Wo Einnahmequellen wegbrechen und Anzeigenkunden weglaufen, ist ein Investor oft willkommen. Dieser stärkt aber nicht nur das Kapital des Mediums, sondern stellt oftmals auch Forderungen, die nicht mehr mit dem Pressekodex der objektiven Berichterstattung übereinstimmen. Ein Unternehmen ist natürlich an einem möglichst guten Ruf interessiert und versucht infolgedessen zum Beispiel, durch einen gekauften Zeitungsverlag das Öffentlichkeitsbild in eigenem Interesse zu beeinflussen. So verschwimmen die Grenzen zwischen Journalismus und Öffentlichkeitsarbeit immer mehr.
Die einen sehen in der Medienkrise eine Gefahr für die Pressefreiheit und den Qualitätsjournalismus, andere dagegen wittern eine Chance für eine differenziertere Medienwelt. So müssen sich Qualitätsblätter wie die ZEIT oder die Frankfurter Allgemeine Zeitung in Zukunft immer mehr auf investigative Formen wie Analysen und kritische Hinterfragung ausrichten, um sich von der Masse an semiprofessionellen Blogs abzusetzen. Diese sind übrigens ein Garant für Pressefreiheit: Solange es nämlich kritische und unabhängige Gegenpole gibt, braucht man keine einseitige Berichterstattung zu befürchten.

Wie ein Mann ein Land ins Verderben reißt

Wie ein Mann ein Land ins Verderben reißt

Es ist eine historische Regel: Sozialismus scheitert. Was so nachvollziehbar und selbstverständlich klingt, bedeutet für Millionen von Menschen Leid und Tod. Simbabwe, eine präsidiale Republik im Süden Afrikas, kann ein Klagelied davon singen. Präsidiale Republik – das klingt erst einmal ganz gut, steht in der Realität aber für „sozialistische Diktatur“. Der 85-jährige Marxist Robert Mugabe führt seit 28 Jahren das Land, seit 1987 als alleiniger Präsident. Wahlmanipulation ist Gang und Gäbe und doch noch das kleinste Übel im Land. Denn was Mugabe im Laufe seiner Amtszeit aus Simbabwe machte, ist pure Darbietung menschlichen Elends.

Willkür und Armut

Simbabwer zahlen mit 100-Millionen-Dollarscheinen. Nicht, weil sie so reich, sondern weil sie so bettelarm sind. Schätzungen zufolge liegt die Inflationsrate bei 90 Trilliarden Prozent. Von groben elf Millionen Einwohnern sind grobe elf Millionen arbeitslos – die Quote beträgt 94 Prozent. Fünf Millionen Menschen können sich nicht selbst versorgen und müssen Lebensmittelhilfe in Anspruch nehmen. Doch nicht nur der Hunger lähmt die Bevölkerung: Seit August wütet die schlimmste Cholera-Epidemie in der Geschichte Afrikas unter den Simbabwern. 3300 sind bereits gestorben, 70.000 sind infiziert. Die UN interveniert zwar, der durch Hunger geschwächten und einem zusammengebrochenen Gesundheitssystem ausgelieferten Bevölkerung kann sie jedoch kaum helfen. Zumal Mugabe Hilfslieferungen wie Nahrung manipuliert und für politische Zwecke missbraucht. Mugabe hat mit seiner isolierten Planwirtschaft die gesamte Wirtschaft Simbabwes ins Verderben gerissen – und damit auch das Land und die Menschen. Wenn es nach ihm, Ahne eines alten afrikanischen Königsgeschlechts, ginge, erführe in der Welt keiner davon. Ausländische Journalisten dürfen nicht einreisen. Selbst im eigenen Land will Mugabe für Unwissenheit und Isolation sorgen. Für Radioempfang muss eine Steuer von 100 % entrichtet werden. Doch die Menschen brauchen kein Radio, sie sehen das Leid jeden Tag an sich selbst und ihren Mitmenschen. Nicht wenige demonstrieren und bilden Oppositionen. Die Antwort Mugabes ist erschreckend einfach: Demonstranten werden erschossen, Oppositionsgegner gefoltert. Selbst kürzlich ernannter Ministerpräsident und Rivale Mugabes, Morgan Tsvangirai, wurde keine zwei Jahre zuvor Opfer polizeilicher Folter. Beamte brachen ihm den Schädel.

Die Kornkammer Afrikas

Es ist erst knapp 30 Jahre her, da bot Simbabwe ein gänzlich anderes Bild. Die Simbabwer feierten 1980 nicht nur ihre Unabhängigkeit von ihren Kolonialherren, sondern auch ihren „heldenhaften“ Nationalhelden und Befreier: Robert Mugabe. Der damalige Premierminister galt als gemäßigt und tolerant. Gezielt förderte er Bildung und bemühte sich um eine Verbesserung der Lebensqualität in Simbabwe. Die Lebensmittelversorgung war mehr als ausreichend, sogar Exporte waren möglich. Das Land war die Kornkammer Afrikas. Besser hätte man sich einen Alleinherrscher nicht wünschen können. Mit der Abschaffung des Ministeramtes im Jahr 1987 begann der Abstieg: Mugabe wurde Präsident. Man weiß nicht, welcher Teufel ihn geritten hat, als er, überzeugter Marxist, massenweise landwirtschaftliche Betriebe verstaatlichte und unfähigen Betreibern in die Hände gab. Hatte er mit dem Machtzuwachs Lust bekommen, eine Spielwiese für seine sozialistischen Ideen anzulegen? Falls ja, sollte er bald erkennen, dass die Spielwiese zum Brachland wurde. Die unfähigen Betreiber richteten die Landwirtschaft zugrunde und kippten das Versorgungssystem. Ein Krieg gegen Kongo führte zu Devisenverlusten im Wert von mehreren hundert Millionen Dollar. Die Jahre machten nicht nur Mugabe verbohrt und verschlossen. Das Land erfuhr eine weitgehende Isolation, nicht zuletzt nach dem Willen des Diktators. Die Nachbarländer duldeten, aber mieden den Despoten. So gab Mugabes ungeschickte Handelspolitik der Wirtschaft des Landes den Todesstoß: Innerhalb von zwei Jahren versechsfachte sich das Außenhandelsdefizit.

Ein Land am Tiefpunkt

Es ist immer eine Verschlimmerung der Lage möglich, doch irgendwann ist für Menschen der Tiefpunkt des Erträglichen erreicht. Die Schwäche durch Hunger und Krankheit erstickt jeglichen tätlichen Widerstand im Keim. Auch politisch kommt der Protest nur schleppend. Ein Jahr brauchte es, bis aus dem gewählten Premierminister Morgan Tsvangirai ein vereidigter Premier wurde. 18 Monate sollen nun vergehen, bis die Verfassung neu geschrieben wird. Auf dem Papier mag diese Entwicklung positiv scheinen, in der Realität bedeutet sie die Fortsetzung einer Ära des Leids.

Kein Ausweg?

In Bezug auf Besserung der Lage ist die Ohnmacht der Außenstehenden ist bedrückend. Sanktionen sind sinnlos und schaden dem Volk mehr denn dem Regime. Die UN und andere Hilfsorganisationen tragen mit Nahrungs- und Medizinlieferungen ihren Teil bei, haben aber mit den üblichen Logistik- und Korruptionsproblemen Afrikas zu kämpfen. Ein militärischer Eingriff ist nicht vorgesehen und würde die Lage kurzfristig verschlimmern. Es bleibt nicht anderes übrig, als auf den Tod des 85-jährigen Mugabe zu warten. Notfalls ihn zu beschleunigen.

Die Linke ist sich wohl nicht extrem genug…

Der linkste Rand der Partei ist nicht mit dem Wortlaut des ersten Entwurfs des Wahlprogramms zufrieden und fordert eine komplette Überarbeitung.

So können sich einige der Kommunisten und Antikapitalisten nicht mit der Formulierung der NATO-Ablehnung arrangieren: Sie sähen wohl lieber populistische Hetze ohne das Aufzeigen einer konkreten Alternative zur NATO. Im Entwurf dagegen heißt es sehr differenziert, die NATO solle sich „von einem Interventionsbündnis weg entwickeln“. Auch die Kritik am Arbeitslosengeld kommt ihnen zu kurz. So haben sie nur einmal die Worte „Hartz IV muss weg“ gezählt. Da kann die Parteiführung es damit ja gar nicht ernst meinen, in der Politik muss schließlich alles tausendmal wiederholt werden!

Auch radikale Hetze gegen das kapitalistische System an sich wird vermisst, ebenso die Nennung des sozialistischen Begriffes.

Die Nörgler, darunter auch die bekannte Sahra Wagenknecht, wollen es wohl mit allen Mitteln verhindern,die Einflussnahme ihrer Partei zu vergrößern oder sie gar an die Regierung kommen zu lassen. Anders lässt es sich nicht erklären, dass sie aus purem Individualitätstrieb für radikalere Formulierungen und klare antikapitalistische Aussagen plädieren. Ihren Ruf als notorischer Nein-Sager wird die Linke auf diese Weise nicht verlieren – zu stark und laut sind diese Strömungen von links außen.

Es sei dahin gestellt, ob ein sozialistisches Staatsmodell in Zukunft funktionieren könnte: Gesellschaftsfähig ist es noch lange nicht, auch zu diesbezüglichen Äußerungen fliegen regelmäßig die Fetzen. Und solange Leute wie Wagenknecht um systemfeindliche Formulierungen feilschen, wird es für eine Partei mit guten Ansätzen zur sozialen Gesetzgebung unmöglich sein, in Landtagen und im Bundestag eine nennenswerte Mandatszahl zu erreichen. Und damit das Land im sozialen Sinne zu verbessern.

Die Linke-Fraktionsvorsitzender Oskar Lafontaine

Gute Miene zum bösen Spiel: Die Linkspartei ist zerstritten

“Sebastian Schütz” / www.jugendfotos.de, CC-de-DE, License(by-nc-nd)

Der Mensch ist dem Menschen ein Ellbogen

Es gibt keinen Feind
Es gibt keinen Sieg
Nichts gehört niemand alleine
Keiner hat sein Leben verdient
Es gibt genug für alle
Es gibt viel schnelles Geld
Wir haben raue Mengen
Und wir teilen diese Welt
Wir stehen in der Pflicht

Die Erde ist freundlich
Warum wir eigentlich nicht
Sie ist freundlich
Warum wir eigentlich nicht

Aus:  Herbert Grönemeyer: Ein Stück vom Himmel

Veröffentlicht in:  on April 14, 2009 at 1:29 pm Hinterlasse einen Kommentar
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Tanzen verboten!

Aufgepasst, Leute! In diesen Tagen solltet ihr mit allzu rhythmischen Körperbewegungen vorsichtig sein und euch bloß nicht beim Tanzen erwischen lassen! Das ist in unserem säkular…äääh christlichen Staat an Ostern gar nicht gern gesehen. Und falls ihr rein zufällig eine Disco betreibt, solltet ihr die mal für ein paar Tage zu lassen – sonst erwartet euch nämlich eine saftige Geldstrafe.

Gefällt euch die Sache nicht? Pscht, haltet bloß die Füße ruhig und tanzt nach deren Pfeife. Sonst wird euch nacher wieder „mangelnder Respekt vor religiösen Gefühlen“ vorgeworfen und ihr seid der rebellische Antichrist. Der aber wenigstens merkt, wann Tradition nur noch um der Tradition willen ausgeübt wird und nicht für einen sinnhaltigen Zweck.

Amis schicken “toxic assets” in die Quarantäne

Endlich! Die amerikanischen Finanzmogule haben eine „Lösung“ für den Umgang mit faulen Wertpapieren gefunden. Das FASB erlaubt den Banken jetzt nämlich, den Wert von Papieren ohne festen Markt und ohne realistische Werteinschätzung in „weitgrößerem Umfang als bisher selbst zu berechnen“. Schön und gut, so müssen weniger Abschreibungen gemacht werden und eine Kreditklemme hat man damit auch verhindert.

Was die Verantwortlichen dabei aber nicht bedacht haben (wobei: ich glaube, sie haben es sehr wohl bedacht, nur bewusst ignoriert), ist, dass so die nächste Finanzblase entsteht. Da die Bilanz nun zu Teilen aus Forderungen besteht, von denen man nicht wissen kann, ob sie erfüllt werden, werden zukünftige Kredite mit sehr wackeligen Reserven gedeckt. Fallen diese Forderungen aus, müssen Kredite verringert oder gar storniert werden. Unternehmen, die fest mit diesen Krediten gerechnet haben, fahren gegen die Wand und müssen weitere Arbeitnehmer entlassen. Da ist es besser, die Wirtschaft in einer Kreditsituation zu wähnen, die der Realität entspricht, anstatt ihr das Blaue vom Himmel zu reden. Von einem gesunden System kann man nämlich nicht gerade reden, wenn 25-prozentige Bankenrenditen einem Wirtschaftswachstum von 3 Prozent gegenüberstehen.

Eine andere Blase hat sich übrigens schon vor einigen Wochen angekündigt, mit volkswirtschaftlichem Ruhm bekleckern sich Helicopter-Ben & Co nicht gerade. Vielleicht haben sie das mit dem Optimismus ja falsch verstanden…

Warum wir nicht schwarzsehen sollten: Aufruf zum Mutmachertag

Dass uns nun Barack „Black Messiah“ Obama heldenhaft durch die Krise führen will, sollte uns nicht zum schwarzsehen verleiten. Im Gegenteil: Wer den Teufel an die Wand malt, bekommt ihn oftmals erst Recht zu Gesicht. Dieses Phänomen, auch unter „self fulfilling prophecy“ bekannt, dürfte vor allem in der Finanzkrise eine schwere Wirkung tragen. Wie sagte doch ein Börsenexperte: Die Börse sei bis zu 90 Prozent nur Psychologie. Das gilt auch für das Kreditgeschäft. Wer keinem vertraut, gibt sein Geld nicht ab.

Dass die Medien uns mit Schreckensmeldungen und Konjunkturprognosen bombardieren, bringt ihnen eine hohe Auflagenquote, uns aber nur Unsicherheit und Angst. Doch wovor eigentlich? Die „größte Wirtschaftskrise seit 1929“ hat ohne Frage viel Geld gekostet. Was man dabei aber bedenken muss, ist, dass es dieses verlorene Geld auch nie gegeben hat. Ein geringes Reservenminimum für Banken, Kredite ohne Sicherheit, Devisen(luft-)geschäfte, unrealistische Einstufungen der Ratingagenturen – das ganze Finanzsystem war ein Schneeballsystem, getrieben vom Moloch der Renditengier und einem Zusammenbruch von vorneherein geweiht.

Sollte uns das den Glauben an den Kapitalismus verlieren lassen? Schwachsinn. Wo die Fehler lagen und immer noch liegen, ist offensichtlich. Um deren Behebung sollen sich die Verantwortlichen und die Politiker kümmern. Uns Bürgern aber fällt mit der Rolle des Konsumenten die Chance zu, das Problem an einer seiner entscheidenden Wurzeln zu packen. Solange wir unser Geld nicht unter der Bettdecke verstecken und fleißig weiter die Sachen kaufen, für die uns unser Geld vorher auch nicht zu schade war, bleibt die Nachfrage am Binnenmarkt auf hohem Niveau. Die Wirtschaft muss ihre Produktion nicht herunterfahren und keine Gewinneinbrüche oder Verluste vermelden. Folglich wird den Unternehmensleitern auch nicht einfallen, ihre Arbeitnehmer in die Kurz- oder gar Nichtarbeit zu schicken.

Und wer schon ohne Arbeit ist, sollte nicht verzagen: Egal, ob Güter oder Dienstleistungen. Produziert werden muss immer. Und wenn die Unternehmen erst aus ihren finanziellen Problemen raus sind, wird sich schon bald wieder Spielraum für neue Arbeitsplätze finden.

Man sieht: Der weitere Verlauf der Krise hängt im großen Maße davon ab, wie wir uns JETZT verhalten. Was verloren ist, kann wiederkommen. Und was noch nicht verloren ist, muss auch nicht verloren gehen. Darum rufe ich an dieser Stelle zum Mutmachertag auf. Der Tag, der uns vor Augen führen soll, dass unser Schicksal mehr denn je von uns selbst abhängt und wir uns von keiner Prognose die Laune vermiesen sollten. Denn bisher ist nämlich noch fast jede Krisen-Prophezeiung nicht in Erfüllung gegangen.

Überproduktion im Kapitalismus: Besser zuviel als zu wenig?

Von wegen: Überproduktion trägt in der Wirtschaft einen nicht unerheblichen Teil zur sozialen Ungerechtigkeit bei. Und dass in einem kapitalistischen System zwangsläufig mehr produziert als nachgefragt wird, lässt sich nicht nur an Butterbergen und Milchschwemmen belegen. Es ist eine Eigenschaft, die unweigerlich mit den Grundzügen des Kapitalismus einhergeht.

Der Kapitalismus lebt nämlich davon, dass eine Person, die Produktionsmittel besitzt, mithilfe von produzierendem Personal Profit für sich selbst erwirtschaftet. Dieser Gewinn entsteht, weil die Arbeiter mehr produzieren, als ihnen in Form von Löhnen ausgezahlt wird. Diesen Mehrwert der Produktion erhält der Kapitalist, der Besitzer der Produktionsmittel, zur Vergrößerung des eigenen Vermögens. Der Arbeiterlohn hingegen dient nicht der Bereicherung, sondern allein der Befriedigung der Lebensbedürfnisse. Daraus ergibt sich aber auch, dass immer mehr produziert wird, als die arbeitende Klasse tatsächlich konsumiert, weil die zum reinen Profit produzierte Ware keinen Abnehmer findet. Der Bedarf der arbeitenden Klasse ist durch das Äquivalent ihrer Lohnauszahlung nämlich gedeckt.

Am einfachsten kann man sich diesen sehr komplizierten Zusammenhang mit einem konkreten Gedankenspiel verständlich machen:

Vereinfachen wir die Wirtschaft auf ein Lohn- und Arbeitsverhältnis zwischen einer Person, die im Besitz von Backöfen und (einer unendlichen Menge an) Teig ist, und zehn Personen ohne relevanten Besitz. Die zehn Personen backen für ihren Arbeitgeber 15 Brote am Tag. Der Arbeitgeber will natürlich einerseits Gewinn machen, andererseits muss er aber auch seine Angestellten bezahlen und ihnen eine Existenz ermöglichen. Darum gewährt er jedem seiner Angestellten einen Lohn von 1 € pro Tag, das dem Marktwert von einem Laib Brot entspricht. Von diesem Gehalt kaufen sich die Arbeiter in diesem komprimierten Wirtschaftsmodell ihren Lebensbedarf direkt vom Arbeitnehmer – ein Brot pro Tag. Damit wäre ihr Lebensstandard gedeckt, ihr Vermögensstand bleibt ausgeglichen.

Es bleiben jedoch noch die fünf Brote, die produziert wurden, um dem Arbeitgeber einen tatsächlichen Gewinn zu ermöglichen (die nicht zur Finanzierung des Lohns produziert wurden). Diese Brote wird er nicht los, da der Bedarf der konsumierenden Klasse einerseits gedeckt ist, andererseits gar kein Geld vorhanden ist, womit diese Klasse das Brot finanzieren könnte.

Doch er bleibt nicht nur auf der Ware sitzen, sie schadet sogar: Da er für jeden Laib Brot 10 Cent Stromkosten mit einberechnen muss, hat er zusammen mit der Lohnauszahlung 11,50 € für die Produktion ausgegeben. Eingenommen hat er dagegen nur die zehn Euro, die ihm seine Arbeitnehmer für das Brot gaben. Darum bleibt ihm nichts anderes übrig, als seine Produktionskosten zu senken, um trotzdem Gewinn einzufahren. Dies kann er angesichts fixer Stromkosten nur mit einer Lohnsenkung für seine Arbeitnehmer erreichen. Da er mit voraussichtlichen Einnahmen von 10 € rechnet, reduziert er den Lohn von 1 € auf 70 Cent. So bliebe ihm abzüglich Stromkosten ein Reingewinn von 1,50 €. In der Rechnung. Tatsächlich wird er nie auf eine Einnahme von 10 € kommen, da seine Angestellten nur über insgesamt 7 € verfügen. Wieder bleibt ihm nichts anderes übrig, als seinen Gewinn mittels Lohnsenkung zu kompensieren, bis er sich irgendwann bei einer Bank verschulden muss. Währenddessen müssen seine Arbeitnehmer ihren Konsum von Brot reduzieren, da sie mehrere Tage für einen Laib Brot arbeiten müssen.

In der Realität wird dieser Vorgang von staatlichen Subventionen, Sozialleistungen, Expansionen und Kreditgeschäften überdeckt. Hinzu kommt, dass die tatsächliche Komplexität des Wirtschaftssystems nicht davon ausgeht, dass es nur ein Konsumprodukt und eine Zielgruppe gibt.

Die Komprimierung auf ein solches Gedankenexperiment zeigt aber, dass ein auf Gewinn ausgerichtetes Wirtschaftssystem unweigerlich zu Überproduktion und somit zu wirtschaftlichem Verlust sowie sozialem Niedergang führt.

Mehr Artikel zu dem Thema (sehr links, aber informationsreich):

Die Überproduktionskrise zeigt die Möglichkeit des Kommunismus

Vom Ende des Marktes über die Tauschwirtschaft zur Basisplanwirtschaft

Die Überproduktionskrisen des Kapitalismus

Und noch eine Beispiel-Statistik, die einen Trend zur erhöhten Produktion im Vergleich zur  geringeren Nachfrage bestätigt.

Ja zum Atomausstieg: Die Bombe in der Erde

So sieht liberale Umweltpolitik beim Thema Atomausstieg aus:

Die FDP setzt bei ihrer Energiepolitik auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit. Dass Umweltverträglichkeit fett hervorgehoben ist, lässt sich angesichts aktueller Aussagen großer FDP-Männer nur als Ironie verstehen.

Denn beim Atomausstieg scheinen eher nur die Indikatoren Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit bei den Liberalen an erster Stelle zu stehen: So klingt es jedenfalls, wenn man den Atomausstieg als „volkswirtschaftlichen Unsinn“ bezeichnet. Zweifeln lassen auch die Aussagen, das Kernkraftwerk Biblis A sei unfallsicher und Anti-Atomstimmen wären ideologische Überbleibsel aus den 70er und 80er Jahren. Damit ist nämlich die Frage nach dem langfristigen Schaden von radioaktiven Abfällen nicht geklärt. Es ist nicht nur die (geringe) Wahrscheinlichkeit eines Atom-Unfalls, die Atomgegner motiviert. Es ist auch die Ungewissheit über die langfristige Wirkung von Radioaktivität auf Umwelt und Mensch.

Gehen wir mal etwas näher auf die Probleme der Kernenergie ein:

Die Endlagerproblematik ist noch längst nicht gelöst, vor allem für hochradioaktives Material hat man noch kein sicheres Lager. Und dieses wird beim langfristigen Weiterbetrieb von Atomkraftwerken zwangsläufig anfallen. Endlager wie Gorleben oder Schacht Konrad scheinen eher provisorisch, sie sind räumlich begrenzt und man weiß nicht, wie die Strahlung auf lange Sicht die Salzschichten beeinflusst.

Auch wenn es zu keinem GAU in einem Endlager oder gar einem Atomkraftwerk kommt, ist das Krebsrisiko für Kinder in der Umgebung eines Werkes oder Lagers und Mitarbeiter der Werke deutlich erhöht. Es gibt zwar Regeln, die „nur“ eine Krebserkrankung unter 1000 Anwohnern vorschreibt. Doch einer ist einer zuviel, man kann ein Menschenleben nicht mit wirtschaftlichem Nutzen aufwiegen.

Sogar dieser Nutzen ist umstritten. Die Kosten für den Sicherungsaufwand und die Atommüllentsorgung sind immens , auch die (verpflichtete) Absicherung durch private Versicherer kostet so einiges. Den volkswirtschaftlichen Sinn hätten Atomkraftwerke damit verloren, die von ihnen ausgehende Gefahr bleibt.

Solange die Endlagerproblematik noch nicht geklärt und keine vollendeten Studien über den langfristigen Einfluss von radioaktiven Abfällen existieren, sollte man die Finger davon lassen und die Verträge langsam auslaufen lassen. Bevor man den Umwelt und Boden vergiftet, sollte man an die nachfolgenden Generationen und Zeitalter (die Halbwertszeit von Plutonium beträgt 24.000 Jahre) denken, die möglicherweise noch nicht einmal wissen werden, dass die Lager hochgefährlichen Müll beinhalten.

Bis diese Fragen geklärt sind, muss Deutschland eben auf 12 % der Energieversorgung verzichten. Kernenergie soll die Forschung an erneuerbaren Energien nicht verschieben oder gar verdrängen. Angesichts sinkender Rohstoffvorkommen und steigender Weltpopulation liegt es nämlich nicht fern, dass in Alternativenergien die Zukunft der Menschheit liegt.

Die Finanzkrise anschaulich erklärt

Finanzkrise anschaulich erklärt

Finanzkrise anschaulich erklärt

Man hört ja immer nur “Finanzkrise” und “Wirtschaftskrise”. Wer wissen möchte, wie diese Krise eigentlich entstanden ist oder es mittlerweile vergessen hat, dem ist dieser Comic zu empfehlen. Mit lockerem Humor wird hier verständlich erklärt, wie eine Reihe von Umständen zum größten Liquiditätsengpass seit der Weltwirtschaftskrise von 1929 führen konnte.

Genießt die Darstellung der Kurzsichtigkeit und Gier unserer Gesellschaft!

Der Comic ist englischsprachig, falls einige wirtschaftliche Fachbegriffe nicht bekannt sind, hier eine kleine Übersicht:

  • Mortgage - Hypothek, Grundpfandrecht
  • Loan - Kredit
  • collateral - Pfand, Sicherheit
  • CDO - Ein Bündel aus drei Arten von Wertpapieren unterschiedlichen Risikos
  • interest rate – Zinssatz
  • SEC – US-Börsenaufsicht
  • SPV (Special Purpose Vehicle) – Eine Zweckgesellschaft, in diesem Fall zur Finanzierung eines Bauvorhabens
  • accounting – Buchführung